Stille als Notwendigkeit
Wir leben in einer Zeit, in der Beschäftigung zum Statussymbol geworden ist. Wer rastet, der rostet so lautet das unausgesprochene Gesetz einer Gesellschaft, die Tempo mit Fortschritt verwechselt. Dabei ist die Fähigkeit, innezuhalten, keine Schwäche. Sie ist eine Form von Intelligenz, die wir uns zunehmend abgewöhnen.
Diese Bilderserie ist eine Gegenbewegung dazu. Jedes Foto ist eine Einladung: nicht zu schauen, sondern zu verweilen. Nicht zu konsumieren, sondern zu atmen. Die Aufnahmen entstanden auf Teneriffa, wo ich 2015 begann, einer Qualität nachzuspüren, die sich schwer benennen lässt, einer Stille, die nicht leer ist, sondern voll.
Die meisten Bilder sind Langzeitbelichtungen. Technisch betrachtet eine Methode. Für mich ist es vor allem ein Zustand: Belichtungszeiten von zwei bis vier Minuten erzwingen eine Langsamkeit, die ich nicht simulieren könnte. Die Kamera läuft und ich höre auf zu funktionieren. Was bleibt, ist der Ort, das Licht, der Moment.
Stille ist kein Luxus für Privilegierte. Sie kostet nichts außer der Bereitschaft, sich ihr zu öffnen.